Regionale Herausforderungen

Österreichs vielfältige Landschaften und Klimabedingungen schaffen sehr unterschiedliche Produktionsvoraussetzungen für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe. In Österreich gibt es rund 1,8 Mio. ha Grünland und 1,37 Mio. ha Ackerland. Der Großteil der Ackerflächen liegt im Osten, wobei sich die höchsten Anteile an Ackerland in den Bundesländern Burgenland, Niederösterreich, Wien, Oberösterreich und der Steiermark finden. In den westlichen Bundesländern, vor allem in den alpinen Regionen, dominiert das Dauergrünland (die höchsten Anteile an Dauergrünland finden sich in Vorarlberg mit 46 % und Salzburg mit rund 39 %). In den Alpen konzentrieren sich auch die Bergbauernbetriebe mit hoher und extremer Erschwernis (in Tirol beträgt dieser Anteil sogar 53 %).

Durch die regional stark unterschiedlich ausgeprägten Bewirtschaftungsformen ergeben sich für die Biodiversität regional stark divergierende Voraussetzungen.

Grünland
Die traditionelle alpine Grünlandbewirtschaftung, die von extremen Seehöhen und Hangneigungen (Erschwerniszonen 3 und 4) geprägt ist, zeichnet sich durch geringe Viehbesatzdichte und niedrigen Einsatz von Mineraldüngern und Herbiziden aus. Große Anteile der Grünlandflächen setzen sich aus Almen, Bergmähdern und extensiv genutztem Grünland (Hutweiden, einmähdige Wiesen, Streuwiesen) zusammen. In diesen Bereichen liegt das Problem für die Biodiversität vor allem in der Nutzungsaufgabe nicht lukrativer Flächen und als Folge einer Verbuschung und Verwaldung der Wiesen.

Die Grünlandflächen der Ausläufer der Ostalpen sowie der Tal- und Mittelgebirgslagen der Hochalpen werden aufgrund erleichterter Bewirtschaftungsbedingungen und höherer Ertragsmöglichkeiten intensiver bewirtschaftet. Sie werden vorwiegend als Wirtschaftsgrünland genutzt

Grünland Quelle: LEADER

(mehrmähdige Wiesen, Kulturweiden). Für diese intensiven Futterbaubetriebe bildet die Milchproduktion eine Haupteinnahmequelle. Dieser Bewirtschaftungstyp erfordert natürlich einen höheren Einsatz an Düngemitteln, was die Wahrscheinlichkeit einer Überfrachtung mit Wirtschaftsdüngern auf bestimmten, oft hofnahen Flächen erhöht. Umweltrelevant sind insbesondere
mögliche Belastungen von Luft (Ammoniak, Methan), Boden und Wasser (Nitrat).

Acker
Im landwirtschaftlich intensiv genutzten Osten Österreichs sind folgende Gefährdungsursachen für Biodiversität relevant:
- Vereinheitlichung, Fragmentierung und Verlust von Kleinstrukturen und Rainen und damit Verlust an geeigneten Lebensräumen, Strukturen und Ausweichflächen durch sog. „Flurbereinigungen“ (Kommassierung)
- Nahrungsmangel und Vergiftung durch den Einsatz von Pestiziden und Dünger
- Intensivierung der Landnutzung (z. B. raschere zeitliche Abfolge der Feldbewirtschaftung, Großmaschineneinsatz)
- Verschwinden der Magerstandorte durch eine Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) der Landschaft

Zusätzlich ist durch das ambitionierte Ziel Österreichs, den Anteil an erneuerbaren Energieträgern am Gesamtenergieverbrauch auf 34 % bis zum Jahr 2020 zu erhöhen, mit verstärktem Druck auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen zu rechnen. Einerseits ist dadurch mit einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft und dem Anbau von Pflanzen in Monokulturen zu rechnen, andererseits werden aufgrund des steigenden Flächenbedarfs für nachwachsende Rohstoffe zudem auch Flächen beansprucht, die sich durch einen hohen naturschutzfachlichen Wert auszeichnen und dem Naturschutz vorbehalten sein sollten.

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