Biodiversität
| Der Begriff Biodiversität oder biologische Vielfalt umfasst die Vielfalt von Ökosystemen, die Vielfalt von Arten und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. |
Aufgrund seiner vielfältigen Landschaft - von der pannonischen Tiefebene bis zum alpinen
Hochgebirge - und den regional stark unterschiedlich ausgeprägten Klimabedingungen, zählt Österreich zu den artenreichsten Ländern Zentraleuropas. Es wird geschätzt, dass die Alpenrepublik rund 45.000 Tierarten, 2.950 Farn- und Blütenpflanzen, 1.000 Moosarten sowie 813 verschiedene Pflanzengesellschaften beherbergt. Aktuell ist dieser Artenreichtum jedoch aufgrund von Fragmentierung und Zerschneidung der Lebensräume, Flächenversiegelung, Klimaänderungen, Einwanderung neuer gebietsfremder Arten und Intensivierung der Landwirtschaft stark gefährdet. Um den weiteren Verlust an biologischer Vielfalt einzudämmen unterzeichnete Österreich das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) von 1992 in Rio de Janeiro und erarbeitete die „Österreichische Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt“, die die Ziele sowie Aktivitäten zur Umsetzung der einzelnen Bestimmungen der CBD in Österreich festlegt.
Der ländliche Raum ist für den Erhalt der biologischen Vielfalt von enormer Bedeutung, denn Land- und Forstwirtschaft sind die größten Landnutzer Österreichs. Einerseits trägt die kleinflächig strukturierte Landwirtschaft Österreichs maßgeblich zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei, andererseits ist die Biodiversität durch die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen und die Intensivierung der Landwirtschaft stark gefährdet. Das Programm zur ländlichen Entwicklung nimmt sich dieser Problematik an, denn der Wert der Biodiversität für den ländlichen Raum ist sehr groß – intakte vielfältige Landschaften sind nicht nur attraktiv für den Tourismus, sondern erfüllen auch bedeutende Ökosystemleistungen, wie etwa die Bereitstellung sauberen Wassers, Hochwasserschutz durch intakte Flussauen oder Erosionsschutz u. v. m.
Agrobiodiversität
Die Agrobiodiversität – die landwirtschaftliche Vielfalt der Nutzpflanzen und Nutztiere und der Agrarökosysteme – zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus, die sie vom Rest der biologischen Vielfalt unterscheiden. Nutzpflanzen und Nutztierrassen sind das direkte Ergebnis menschlicher Bestrebungen, Tiere und Pflanzen den Bedürfnissen des Menschen anzupassen. Die daraus resultierende Vielfalt ist das Ergebnis einer jahrtausendealten Züchtungsarbeit. Außerdem besteht in Bezug auf die Agrobiodiversität ein besonders Abhängigkeitsverhältnis zwischen den NutzerInnen und den BereitstellerInnen genetischer Vielfalt: Während wir die Agrobiodiversität für unsere Ernährung benötigen, würden viele Nutzpflanzen und -tiere ohne die Pflege des Menschen nicht überleben.

